Montag, 17. März 2008
Nudeln mit Tomatensoße
Das zweite Semester ist kurz davor, von mir begonnen zu werden und es scheint genauso weiterzugehen wie das erste. Zumindest schon einmal was das Essen angeht. Nudeln mit Tomatensoße. Lecker! Aber ganz darauf konzentrieren kann ich mich nicht. Ich habe alle Klausuren bestanden. Ich muss nichts nachschreiben. Ich habe mich gefreut. Ich habe eine Sendung mit dem Thema „Eliten in Deutschland“ gesehen gestern Abend. Ich schaufle mir einen Berg Nudeln und einen Klecks Tomatensoße auf den Teller, begebe mich auf mein Bett und beginne zu essen. Und ich habe Angst bekommen. Da hieß es, nur die Elite könne wirklich etwas bewegen. Die „oberen 4000“. Nicht die Studenten, die zwar bestehen, aber eben nicht herausragend. Immer zwei bis drei Nudeln mit einem Klacks Tomatensoße. Dass auch der Nudelgeschmack gut rauskommt! Nur diese 4000 könnten dies wirklich. Der andere Rest: Whatever! Wir brauchen eine Elite, die uns vorantreibt. Und je länger ich darüber sinniere, ob es nun wirklich 4000 Auserkorene braucht, um in einem Land etwas bewegen zu können, desto frustrierter werde ich. Eins ist klar: Ich habe es zwar geschafft zu studieren, aber ich werde nie zu dieser Elite gehören. Nudel für Nudel verschwindet in meinem Mund und findet so den Weg in meinen Magen. Dazu studiere ich noch dazu die falschen Fächer – nämlich weder Jura noch etwas Wirtschaftliches. Und habe laut dieser Sendung eigentlich jegliche Chancen verspielt, eine tragende, gesellschaftsverändernde Rolle zu spielen. Aber ich würde trotzdem so gerne! Je länger ich mein Sättigungsmahl zu mir nehme, desto klarer wird: Ich bin eine von diesen vielen Nudel. Keine Tomatensoße. Keine der 4000. Ich bin nicht das, was den Geschmack der Komposition Gesellschaft ausmacht. Aber eins ist auch klar: Ohne die Nudeln wäre meine liebe Soße wohl auch ganz schön verloren!
Dienstag, 30. Oktober 2007
Untitled
Die frage ist
ob man es ausdrücken kann
in so kleinen mickrigen worten
und die zweite
ob ich es mich traue
auch zu schreiben
warum ich dich liebe
aufzählungen
warum ich dich liebe
wären falsch
denn so
würde ich dich reduzieren
auf einzelheiten
und dabei vergessen
dass man dich in worten
gar nicht fassen kann.
ob man es ausdrücken kann
in so kleinen mickrigen worten
und die zweite
ob ich es mich traue
auch zu schreiben
warum ich dich liebe
aufzählungen
warum ich dich liebe
wären falsch
denn so
würde ich dich reduzieren
auf einzelheiten
und dabei vergessen
dass man dich in worten
gar nicht fassen kann.
Donnerstag, 18. Oktober 2007
Lokalpatriotismus
Meltem und ich treffen in der Uni einen Kölner. Netter Mensch, wir unterhalten uns gut. Wo er denn wohne, wenn er aus Köln sei. Bei seiner Tante in Fürth. Ah, okay… Äh, was? Fürth? „Ih…!!!!“ kommt es aus unserer beider Münder. Leicht verduzt schaut er uns an. Natürlich kann er mit dieser Antwort nichts anfangen. Wie denn auch? Er ist auch nicht in die Lokalpatriotismus und Stadtfeindschaften im Großraum Nürnberg-Fürth-Erlangen eingeweiht. Natürlich klären wir ihn auf. Als Nürnberger hasst du Fürth. „Warum? Die Stadt ist doch eigentlich ganz schön..?“ „Nein!“ „Aber was ich so gesehen hab…“ „Es ist Fürth, da isses grundsätzlich nicht schön!“ wird er von uns jäh unterbrochen. Somit sind die Verhältnisse erstmal geklärt. Ganz so logisch scheint es ihm aber im Gegensatz zu uns nicht vorzukommen. Auf dem Heimweg mit der Bahn kommt mir dieser Dialog wieder ins Gedächtnis. Ja warum hasse ich Fürth eigentlich? Groß mit der Stadt auseinandergesetzt habe ich mich nicht. Ich entsinne mich an eine Stadtführung durch Fürth vor vielen, vielen Jahren. Damals hat mir die Stadt an sich eigentlich ganz gut gefallen. Okay, ich bin „Glubb“-Fan und kann deswegen natürlich gegnerische Vereine nicht leiden, vor allem, wenn sie direkt vor der Haustür liegen. Aber sonst? Was ist eigentlich so schlimm an Fürth? Mir fällt nur noch ein sehr individueller Grund ein. Der Name des Fußball-Stadions. Playmobil-Stadion. Warum? Seit meiner Ferienarbeit bei eben jener Firma bin ich auf sie nicht mehr sonderlich gut zu sp rechen. Jetzt ist aber nicht jeder Fußball-Fan und erst recht nicht jeder hat bei diesem Spielzeugfirma gearbeitet. Lange denke ich nach und komme zu keinem rechten Ergebnis. Und eigentlich hasse ich Verallgemeinerungen. Und eigentlich ist es wirklich sehr pauschal zu sagen, dass Fürth auf gut Deutsch scheiße sei. Gerade fahre ich durch den Fürther Bahnhof. Feindliches Gebiet. Schlimm. Jeden Tag fahr ich hier durch, um zur Uni zu kommen. Und mein Hass auf die Stadt macht sich wieder breit. Eigentlich gibt es keine vernünftige Erklärung. Eigentlich gibt es keinen wirklichen Grund gleich die komplette Stadt zu hassen. Aber es macht so Spaß, die große Unvernunft.
Samstag, 15. September 2007
Mitleid mit Gott
Eigentlich habe ich nichts gegen Gott. Gegen Religion allgemein nicht. Meist sind es sogar recht gute Prinzipien des Zusammenlebens, die dort gelehrt und gelebt werden sollen. Und auch können sie einen Halt geben in schwierigen Zeiten, in denen man weder ein noch aus weiß, vielleicht nicht weiß, wie es weitergehen soll, was man als nächstes tun soll. Es als etwas konstantes, festes betrachtet in seinem Leben. Der berühmte Fels in der Brandung. Ich neige eher zum Agnostizismus, bewundere aber Menschen, die sich in wichtigen Fragen des Lebens an Gott wenden, ihren inneren Kampf mit ihm bestreiten und so eine Antwort auf ihre Fragen finden wollen. Das ist die gute Seite an Religion. Aber manchmal bekomme ich Mitleid mit Gott. Wenn ich Menschen sehe, die nicht mehr handlungsfähig sind ohne Gott. Die wegen jeder noch so kleinen Entscheidung – soll ich heute ins Kino gehen? – Gott anrufen. Die ihr Leben komplett nach der angeblichen Entscheidung Gottes abhängig machen. In deren Leben es nicht mehr um das Glück und Leid anderer Menschen und sich selber dreht, sondern darum, ob es mit Gott vereinbar ist. Die, bei einem neuen Freund als erstes fragen, ob er an Gott glaube anstatt sich zu erkundigen, ob man mit derjenigen Person glücklich sei. Die andere Menschen dafür verurteilen, dass sie nicht die gleiche Lebenseinstellung haben wie sie. Denn sie verlieren dadurch nicht nur ihre persönliche Entscheidungsfreiheit, die doch so wichtig ist für ein selbstbestimmtes Leben. Nein, sie geben auch die Verantwortung für ihre Taten ab, was viel schwerwiegender ist. Sie lassen sich die Möglichkeit offen, zu sagen, dass es Gott doch so gewollt hat und sprechen sich so frei von allen Folgen, von ihrer Schuld. Sie übergeben die Verantwortung, die sie selbst zu tragen haben. Sie minimieren, ja lassen sie gänzlich verschwinden, die Gefahr des Lebens und die Entscheidungen, die uns täglich gestellt werden und die es zu gestalten gilt. Und nehmen sich so die Chance, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Den Schmerz einer Niederlage zu spüren, aber auch die größte Freude bei einem Sieg. Sie nehmen sich die Chance, erwachsen zu werden. Selbst gerade zu stehen in einer nicht immer freundlichen, zuvorkommenden Welt. Und werden immer abhängig bleiben. Ob Gott das so gewollt hat? Ich glaube nicht, dass es mir zusteht, diese Frage zu beantworten. Vielleicht weiß er, dass es manche Menschen nicht anders können und lenkt sie. Vielleicht denkt er sich aber auch: „Schwing deinen Arsch hoch und fang endlich an zu leben, verdammt!“
Montag, 27. August 2007
27.08.2007
Liebes Tagebuch,
komische Sachen gehen in der Welt vor sich. Kannst du dir gar nicht vorstellen. Von Playmobil hab ich dir ja schon ausgiebig erzählt. Aber ich muss schon sagen: Gut, dass ich soooo klug bin und mein Abitur habe. Ich finde, das ist es wert, die Nase so hoch wie möglich zu tragen. Am besten so hoch, dass ich auf alle anderen Menschen nur noch herabschauen kann. Findest du nicht auch? Sind aber auch gescheit dumm die Menschen da am Fließband. Und blöd. Und überhaupt. Aber was erzähl ich dir da? Das weisst du ja schon alles.
Hab ich dir schon von dem Blog da erzählt, den ich vor kurzem entdeckt habe? Ich glaube noch nicht. Da hat eine anscheinend auch bei dem Spielzeughersteller gearbeitet und da geht es sehr lustig zu. Da meint nämlich einer, dass die Schreiberin total arrogant ist. Recht hat er. Finde ich. Weil nämlich die Hauptaussage ihres Posts ist, dass sie viel klüger ist als alle anderen. Und die blöde Kuh nennt ihn dann auch noch „Kummerkasten auf Zeit“. Passt ja wohl mal gar nicht. Ich finde sie sollte sich das nächste Mal eine passendere Überschrift ausdenken. Und überhaupt: Sie kennt ja sowieso nur Studierende und Abiturienten. Aber ist bestimmt die komplette Wahrheit, die sie da schreibt. Ganz bestimmt.
So liebes Tagebuch, das war’s von mir für heute. Ich hab dich lieb!
komische Sachen gehen in der Welt vor sich. Kannst du dir gar nicht vorstellen. Von Playmobil hab ich dir ja schon ausgiebig erzählt. Aber ich muss schon sagen: Gut, dass ich soooo klug bin und mein Abitur habe. Ich finde, das ist es wert, die Nase so hoch wie möglich zu tragen. Am besten so hoch, dass ich auf alle anderen Menschen nur noch herabschauen kann. Findest du nicht auch? Sind aber auch gescheit dumm die Menschen da am Fließband. Und blöd. Und überhaupt. Aber was erzähl ich dir da? Das weisst du ja schon alles.
Hab ich dir schon von dem Blog da erzählt, den ich vor kurzem entdeckt habe? Ich glaube noch nicht. Da hat eine anscheinend auch bei dem Spielzeughersteller gearbeitet und da geht es sehr lustig zu. Da meint nämlich einer, dass die Schreiberin total arrogant ist. Recht hat er. Finde ich. Weil nämlich die Hauptaussage ihres Posts ist, dass sie viel klüger ist als alle anderen. Und die blöde Kuh nennt ihn dann auch noch „Kummerkasten auf Zeit“. Passt ja wohl mal gar nicht. Ich finde sie sollte sich das nächste Mal eine passendere Überschrift ausdenken. Und überhaupt: Sie kennt ja sowieso nur Studierende und Abiturienten. Aber ist bestimmt die komplette Wahrheit, die sie da schreibt. Ganz bestimmt.
So liebes Tagebuch, das war’s von mir für heute. Ich hab dich lieb!
Sonntag, 5. August 2007
Kummerkasten auf Zeit
"Jetzt hab ich auch endlich gelernt, wie man die Schachteln wieder aufbekommt!" Nein, dieser Satz stammt nicht von einer Ferienarbeiterin bei Playmobil, nein er stammt von einer festen Arbeiterin, kurz vor der Rente, schon seit über 20 Jahren dort. Mit jedem Tag, den ich ans Fließband schreite, um Geld für meine materiellen Träume zu erarbeiten, gehe ich für neun Stunden in eine andere Welt. In eine Welt, die ich so nicht kenne, die mir fremd ist, mit der ich unter normalen Umständen nicht einmal in Berührung kommen würde. Menschen ohne Perspektive, Menschen, die mit großer Wahrscheinlichkeit nie einen Beruf erlernen werden und damit die Chance auf eine bessere Arbeit. Und damit auch sozialen Aufstieg. Ich habe gerade mein Abitur geschafft, meine Eltern sind beide studierte Leute, mein Freundeskreis studiert zum größtenteil schon, hat mit mir Abitur gemacht oder ist kurz davor, es mir gleich zu tun. Dementsprechend groß ist jeden Tag der Kulturschock, wenn man wieder einmal von menschlichen Schicksalen hört. Dienstag saß eine junge Zeitarbeiterin neben mir. Ein Jahr jünger als ich. Sie hat einfach die Hauptschule abgebrochen, war das letzte Schuljahr insgesamt gerade mal drei Monate in der Schule. Warum? Gruppenzwang. Sagt sie. Mit dem Bruder und dem Freund in einer eigenen Wohnung gewohnt. Weil es so unerträglich war daheim. Da, wo die Eltern, kaum dass sie aufgestanden sind, das Streiten anfangen. Die unkontrolliert Alkohol trinken. Wieder eine andere wohnt in einer Art Frauenhaus. Mit 20 geheiratet, drei Jahre lang von dem Vater ihres einen Kindes und Ehemann verprügelt worden, jetzt wieder schwanger. Von ihrer Affaire, verheiratet, selbst zwei Kinder. So etwas erzählt dir jemand, den du kaum kennst. Eigentlich ist kaum schon wirklich übertrieben. Schließlich sitzt du nur zufällig neben dieser Person am Fließband. Aber es ist, als würdest du für die Zeit, in der du dich in diesem Laden aufhälst zu einer Art Freundin werden. Einer Art Kummerkasten für all diejenigen, die das Leben gebeutelt hat. Die abgestürzt sind und deren Bekanntenkreis die Geschichten nicht mehr aufnehmen kann. Weil sie sie so oder zumindest in der Art und Weise schon x-mal gehört haben. Oder es ihnen selbst passiert ist. Es schockt sie nicht mehr. Sie haben kein Mitgefühl mehr. Warum auch? Es geht ihnen ja auch nicht besser. Aber bei den Ferienarbeitern ist noch was zu holen. Sie haben die Geschichten noch nicht gehört. Sie haben noch das Mitgefühl, nach dem sie sich sehnen. Zumindest in der ersten Zeit haben sie es noch. Ich habe nun eine Woche hinter mir. Und mein Mitleid schwindet. Stetig. Bis es ganz weg ist. Wie im Bekanntenkreis. Und dann, nach drei Wochen, werde ich wieder zurückkehren in meine Welt. Werde zurückkehren in ein halbwegs unbeschwertes Leben. Um wieder Kraft zu sammeln für das ganze Mitgefühl, das ich nächstes Jahr zu genau dieser Zeit wieder brauche. Dann, wenn ich wieder zum Kummerkasten auf Zeit mutiere.
Samstag, 30. Juni 2007
Abiball vom 29.06.2007
Hier die Bilder des grandiosen Abiballs des JSBG Windsbach in der Hohenzollernhalle in Heilsbronn! Ein sehr schöner war's! Und dementsprechend toll fallen natürlich auch die Bilder aus! :)
Auch an dieser Stelle: Ein großes Lob an den AK!
Auch an dieser Stelle: Ein großes Lob an den AK!
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| Abiball 29.06.2007 |
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